Der Wolf ist zurück!

Der Wolfbestand in Deutschland

Bis zum Zeitpunkt, als der Wolf im Jahr 1998 nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde von den Herdenhaltern verlangt, dass die Schutzmaßnahmen für Herden in der Offenlandhaltung unter anderem auch den Ausbruch von Nutztieren verhindern sollten. Seit die ersten deutschen Wolfsrudel in Sachsen auftauchten, vergrößerte sich der Bestand an Wölfen von Jahr zu Jahr, sodass im Beobachtungsjahr 2016/2017 in Deutschland für insgesamt 47 Rudel, 21 Paare und 4 territoriale Einzeltiere der Nachweis erbracht werden konnte. In Folge dieses naturgegebenen Wiederansiedlungs- und Verbreitungsprozesses ist davon auszugehen, dass sich die Tiere in Zukunft auf dem gesamten Territorium der Bundesrepublik Deutschland ansiedeln werden. Dadurch ist es geboten, dass die vorgesehenen Herdenschutzmaßnahmen den Ausbruch der Nutztiere verhindern und zur gleichen Zeit Übergriffe durch Wölfe abgewehrt werden.

wolf

Da der Wolf in Deutschland lange Zeit gänzlich verschwunden war, gibt es hier kaum langfristige Erfahrung in Hinsicht auf dessen Handhabung. Inzwischen wurde ein intensiver Erfahrungsaustausch mit Ländern gestartet, in denen der Wolf nie verschwunden war. Die Erfahrung, die dort mit Wölfen gemacht wurde, hat eindeutig bewiesen, dass die Zahl der von Wölfen in einem bestimmten Gebiet angegriffenen Nutztiere

nur von der Qualität der Maßnahmen für den Herdenschutz abhängig ist und keineswegs mit der Größe des Wolfsbestandes oder der Anzahl an Nutztieren in Zusammenhang steht. Diese Erfahrungen wurden mittlerweile auch in Sachsen gemacht, dem Bundesland, das bisher die meiste Erfahrung im Umgang mit Wölfen aufweisen kann. Aus diesem Grunde ist es ratsam, Herdenschutzmaßnahmen, die zur Abweisung der Wölfe beitragen, schon durchzuführen, bevor es zur Begegnung zwischen Wolf und Nutztier kommt. Damit kann eine Gewöhnung der Wölfe an das ungehinderte Reißen von Nutztieren schon im Vorfeld minimiert werden. Wölfe machen meist Jagd auf Tiere, die sich leicht erlegen lassen, wobei sie nicht zwischen Nutztieren und wildlebenden Tieren unterscheiden. 2015 kamen in Deutschland insgesamt 714 Nutztiere durch den Biss des Wolfes um, darunter befanden sich 596 Schafe. Um die Akzeptanz der Wölfe innerhalb der Bevölkerung zu fördern und um finanzielle Einbußen von Weidetierhaltern von durch Wölfe verursachten Schäden auszugleichen, wurden von den Bundesländern, in denen Wölfe inzwischen heimisch sind, öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt. Diese Fördergelder werden einerseits zur Bereitstellung von Herdenschutzmaßnahmen angeboten, andererseits dienen sie dem Ausgleich finanzieller Schäden bei Nutztieren. Dementsprechend wurden im Jahr 2015 etwa 1 Mio. € im Rahmen von Herdenschutzmaßnahmen verausgabt, während für den Schadensausgleich lediglich 108.000€ zu Buche standen.

Entwicklung der von Wölfen verursachten Nutztierschäden von 2000 bis 2015.
(Quelle: DBBW 2016)

In Bundesländern mit Wolfsvorkommen ist der Anspruch auf finanzielle Entschädigung im Schadensfall mit einem sogenannten Mindestschutz verknüpft. Dieser fungiert sozusagen als Kompromiss zwischen der Schutzwirkung gegen Wölfe auf der einen Seite und der bisher geübten Praxis der Weidetierhaltung auf der anderen Seite. Letztere orientierte sich bisher keineswegs an der Wolfspräsenz.

(Grafik: Entwicklung der von Wölfen verursachten Nutztierschäden von 2000 bis 2015. (Quelle: DBBW 2016))

Bisher fielen bei etwa 90% der durch Wölfe herbeigeführten Schäden Schafe und Ziegen zum Opfer. Aus diesem Grund betrifft die folgende Erörterung über die Erfordernisse des Herdenschutzes lediglich diese Gruppe von Nutztieren.

Empfohlene Schutzmaßnahmen

Die im folgenden empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen, die auf den obigen Erkenntnissen beruhen, werden als “empfohlener Schutz“ bezeichnet. Im Gegensatz zum beschriebenen Mindestschutz wird dagegen geraten, ausschließlich mindestens 120 cm hohe Zäune einzusetzen. Dabei sollten die Draht- und Litzenzäune aus mindestens 5 Drähten oder Litzen konstruiert sein (Abstand vom Boden 20, 40, 60, 90, 120 cm). Bei Netzzäunen von weniger als 120 cm Höhe besteht die Möglichkeit, diese mittels einer weiteren oder integrierten Breitbandlitze auf 120 cm zu erhöhen. Diese Maßnahme empfiehlt sich insbesondere dann, wenn Zäune mit Mindestschutz bereits überwunden werden konnten. Die elektrischen Zäune sollten stets unter Strom stehen und im Falle der Nichtnutzung sofort abgebaut werden. Ähnlich wie beim Mindestschutz ist auch hier eine tägliche Funktionskontrolle unbedingt vorzunehmen. Nicht-elektrische Festzäune können hingegen nur mit einem erheblichen Aufwand (z.B. Untergrabungsschutz, Überkletterschutz,) gegen Wolfsangriffe gesichert werden und werden deshalb vom BfN nicht als Mindestschutz empfohlen. Oft versuchen Wölfe auch, unter Schutzzäunen hindurchzukriechen. Daher ist es außerordentlich wichtig, dass die Zäune im bodennahen Bereich ausreichend gespannt sind. Der eindeutige Vorteil von elektrisch geladenen Zäunen im Vergleich zu Festzäunen besteht darin, dass nur diese Art von Zäunen eine dauerhaft abschreckende Wirkung haben, denn durch den körperlichen Schmerz, den Wölfe bei der Berührung, erleiden, werden auch wiederholt „ausforschende“ Wölfe abgeschreckt.

Horizont Wolfabwehrnetz

Zum Mindestschutz für Ziegen und Schafe gehören in der überwiegenden Zahl der Bundesländer ein elektrischer Zaun (Netz-/Draht-/Litzenzaun), der im aufgerichteten Zustand eine Höhe von mindestens 90 cm aufweisen und zudem fest gespannt sein muss. Der untere Rand muss bodenbündig konstruiert sein (bei Netzzäunen), bzw. ist es erforderlich, dass eine stromführende Litze in höchstens 20 cm Höhe in den Zaun integriert wird. Zudem muss eine tägliche Funktionskontrolle schriftlich protokolliert werden (aid Broschüre …)

Zum Schutz von größeren Herden empfiehlt es sich für Nutztierhalter, Zäune mit Mindesthöhe in Verbindung mit Herdenschutzhunden zu errichten. In diesem Fall ist es notwendig, dass die Tierhalter mit den spezifischen Erfordernissen der Herdenhunde vertraut sind oder die Möglichkeit fachlicher Beratung in Anspruch zu nehmen. Die Anzahl der benötigten Hunde (es sollten zumindest 2 Hunde sein) sollte sowohl an der Größe der Herde als auch an der Weidefläche ausgerichtet werden. Selbstverständlich sollten auch immer regionale Differenzen hinsichtlich der Herdenschutzmaßnahmen bedacht werden. Dies trifft insbesondere auf die Beweidung von Deichen und Almen zu. Empfehlungen dazu werden zurzeit erarbeitet.

Produktempfehlungen

Viele Weidenetz Hersteller haben spezielle Lösungen und Netze zur Wolfsabwehr entwickelt. Wir können hier eine klare Kaufempfehlung auf die Wolfsabwehrnetze von Horizont abgeben. Diese werden auch vom Sächsischer Schaf- & Ziegenzuchtverband e.V. empfohlen und sind speziell zur Wolfabwehr entwickelt worden.

Da jedes Weide und Weidezaunprojekt zumeist recht individuell ist und auch auf die eigenen Ansprüche zugeschnitten sein sollte wollen wir an dieser Stelle noch den Weidezaunplaner von AgrarHELD empfehlen und vorstellen. Diese Firma hat sich die Markenunabhängige und faire Beratung im Weidezaunbereich auf die Fahne geschrieben und in Ihrem Themenbereich Weidezaun unter weideheld.de den Weidezaunplaner entwickelt. Hier können Sie einfach, kostenlos Ihre Weide mit GoogleMaps vermessen, Ihre persönlichen Anforderungen angeben und erhalten in kurzer Zeit ein auf sie zugeschnittenes Weidezaunangebot und eine kostenlose Beratung.

Zukunftsarbeit

Vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen, dass eine Vertreibung oder eine generelle Bejagung von Wölfen ungeeignet ist, um Schäden bei Nutztieren zu verhindern, kann nur ein sachgerechter und flächendeckender Schutz der Herden, der mit den hier empfohlenen Maßnahmen durchgeführt wird, die finanziellen und emotionalen Schäden, die durch Übergriffe von Wölfen
hervorgerufen werden, vermindern. Nur dadurch kann ein konfliktfreies Nebeneinander von Wolf und Nutztier möglich werden. Im Falle, dass im Rahmen des Herdenschutzes die Maßnahmen eines Mindestschutzes nicht greifen, ist es nach Ansicht des BfN unter allen Umständen ratsam, empfohlene Schutzmaßnahmen durchzuführen. In einigen Bundesländern erfolgt schon eine Förderung von Herdenschutzmaßnahmen, die an dem empfohlenen Standard ausgerichtet sind. In denjenigen Bundesländern, wo noch keine Wolfspopulationen beobachtet wurden, empfiehlt sich bei der Einführung von präventiven Maßnahmen, dass der empfohlene Schutzstandard zur Anwendung kommt, um damit Übergriffe von Wölfen auf Nutztierherden zu reduzieren oder ganz zu verhindern. Allerdings muss auch betont werden, dass selbst ein derartiger Schutz keine totale Sicherheit für Weidetiere vor Übergriffen von Wölfen garantieren kann. Optimistisch stimmt dagegen die Tatsache, dass es bisher noch keinen Fall gab, bei dem die hier erörterten und empfohlenen Schutzvorrichtungen von Wölfen überwunden werden konnten. Es kann daher festgestellt werden, dass die langfristige Sicherheit im Rahmen der offenen Weidetierhaltung selbst in Gebieten, in denen der Wolf inzwischen heimisch ist, durchaus möglich ist, wenn die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen eingehalten werden. Allerdings sollte diese von einer politischen Unterstützung und einer langfristigen finanziellen Absicherung begleitet werden.

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